Lust auf Rosen und andere Pflanzen, aber kein Platz?
Jetzt bricht die Jahreszeit an, wo es in den Fingern kribbelt und alle Lust auf Garten haben. Bevor man es weiß, ist der Fahrradkorb oder das Auto wieder vollgeladen mit neuen Schätzen. Ich hoffe nur, dass Sie ihre Hausaufgaben machen bevor Sie ins Auto oder auf das Fahrrad steigen. Was genau brauchen Sie? Wo sind die Schwachstellen, die Lücken und wichtiger, wann ist es eine Schwachstelle? Das ganze Jahr, nur im Spätsommer oder Herbst, im Frühsommer nach der Zwiebelblüte? Wie ist der Boden an der Stelle, wie sind die Lichtverhältnisse? Soll es ein Gehölz sein, was eine permanente Struktur bildet die langsam weiterwächst? Soll es lieber eine Staude sein, die jedes Jahr zurückkommt? Farbe, Duft, etwas Essbares, Herbstfärbung, was für Insekten und Vögel? Es gibt vieles zu überlegen. Nicht alle Fragen müssen beantwortet werden, aber je genauer die Vorstellung, je größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die richtige Pflanze finden, die Ihnen viele Jahre Freude bescheren wird, ohne dass Sie allzu viel dafür tun müssen. Eine glückliche Pflanze ist in der Regel eine pflegeleichte Pflanze.
Aber es ist auch schön sich immer wieder mal verführen zu lassen von etwas Schönem, auch wenn im Hinterkopf der Gedanke tobt, dass der Garten schon so voll ist. Wichtig ist nur, die passende Trophäe auszusuchen, einen passenden Platz zu finden und sie nicht irgendwo in die erste Lücke zu stopfen, wo sie meist untergeht und verschwinden wird.
Es gibt kleine Tricks und Kniffe, womit man auf kleinerem Raum doch noch eine extra Pflanze reinschmuggeln kann.
Hochstämmchen
Eigentlich war ich noch nie ein großer Fan von Hochstämmchen, besonders nicht von Rosen. Ich gebe zu, sie können gut aussehen, aber viel hängt von der Sorte und dem Habitus ab. Eine Hochstamm Rose ist irgendeine Rose oben auf einen längeren Stamm statt auf Bodenebene, direkt auf der Wurzel veredelt. Jeder Rosentyp kann hierfür benutzt werden. Damit transportiert man genau den hässlichen Teil der Rose von Bodenebene auf Augenhöhe und man schaut direkt auf die knubbelige Veredlungsstelle. Suchen Sie sich eine Sorte aus, die entweder eigentlich eine Kletterrose ist, und reichlich lange, hängende Triebe produzieren wird, oder eine Rose die in die Breite wachsen möchte wie Bodendecker-Rosen.
Es gibt nicht nur Rosen als Hochstämmchen. Es gibt, zum Beispiel auch Obststräucher, die als Hochstamm gezogen werden. Der Ertrag von Johannisbeeren oder Stachelbeeren wird etwas geringer sein, als beim normalen Strauch, aber sie können diese, genauso wie bei den Rosen, noch unterpflanzen mit was anderem, wie Erdbeeren, Kräutern oder Stauden. Damit nutzt man die Fläche zum absoluten Maximum und Sie können komfortabel ernten ohne sich zu bücken.
Hochstämmchen können gut als Gestaltungselement eingesetzt werden, zum Beispiel an jeder Seite vom Garteneingang, oder als eine einheitliche Reihe um eine transparente Trennung im Garten zu kreieren. In solchen Fällen ist es empfehlenswert die gleiche Sorte zu verwenden, das bringt Struktur und Ruhe in die Gestaltung.
Kletterer
Es gibt fast immer noch Platz für irgendwelche Kletterpflanzen die an eine langweilige Wand, an ein Klettergerüst, in einem Baum oder Strauch hochklettern können. Die zusätzliche Höhe bringt eine neue Dimension im Garten und kann den Raum dramatisch ändern. Es muss kein invasiver Albtraum sein, es kann eine einjährige Pflanze sein wie die blaue Prunkwinde oder ein paar Duftwicken. Ein kurz-lebender, enthusiastischer Kletterer, der sich schnell über nackte Zäune ausbreiten kann und den Sommer durchblühen wird, ist die Schönranke mit feinem Laub und Blüten in Gelb, Orange oder Rot, Eccremocarpus scaber. Sie mag ich besonders als Übergangslösung wo die Zielpflanze noch einige Jahre braucht, um ihre erwünschte Größe zu erreichen und den gewünschten Sichtschutz schafft.
Es gibt hunderten Clematis-Sorten, die traumhaft aussehen. Die kräftig wachsenden Frühjahrsblüher, die man erst nach der Blüte, wenn überhaupt, schneidet, oder die, welche im Laufe des Sommers auf neuen Trieben blühen, die zeitig im Frühjahr runtergeschnitten werden sollten. Sie können dann in eine Kletterrose hineinwachsen oder sich über ein anderes Gehölz hochangeln.
Kletterrosen überhaupt sind auch wertvolle, kompakte Höhen-Schaffer. Hier lohnt es sich auf deren Wuchskraft zu achten und die richtige auszusuchen, für den Standort den Sie im Angebot haben. Soll sie an einem größeren Baum hochwachsen, muss sie es auch schaffen: eine der kräftig wachsende Ramblerrosen wäre empfehlenswert, wie ‚Rambling Rektor‘ oder ‚Paul’s Hymalayan Musk‘. Ein kleinere Kletterrose ist ideal für einen Rosenbogen oder eine Säule. Wenn sie eng um das Gerüst gewickelt sind, nehmen sie nicht viel Platz ein und können noch von einer Clematis begleitet werden, wie die Viticella Sorte ‚Polish Spirit‘ oder ‚Alba Luxurians‘.
Gewickelte Strauchrosen
Vor vielen Jahren habe ich in Sissinghurst gelernt, wie sie die alten Rosen in Vita Sackville-Wests Rosengarten behandeln. Viele der historischen Rosen die Vita geliebt hat, entwickeln sich in relativ große, kräftige Sträucher die leider nur einmal im Frühsommer blühen. Um sie zu bändigen und kompakt zu halten, wurden sie gewickelt und gebunden, an einfache Gerüste aus Holzpfosten, Hasel oder Kastanien-Ruten.
Am einfachsten ist es, Sie bilden ein Gerüst aus vier 1,5m lange Holzpfosten die in einem Quadrat um die Pflanze platziert wurden, circa 40-50cm auseinander. Jeden Winter werden die Rosen geschnitten und um dieses Gerüst gewickelt und festgebunden. Damit bleiben sie schön kompakt und Schlank, und man kann nah an die Pflanze ran pflanzen, besonders mit Nachbarn, die etwas schattenverträglich sind. Neue Triebe, die im Laufe der Saison kommen, sollen auch an dieses Gerüst festgebunden werden.
Beim Schneiden am Ende des Winters, werden erst mal alle Triebe wieder vom Gerüst befreit. Die wichtigsten Triebe sind die langen, neuen. Die sind leicht zu erkennen, da sie noch einen frischeren Grünton haben, noch keine Seitentriebe entwickelt haben und meist dünner und flexibler sind. Es ist wichtig darauf zu achten, dass diese neuen Triebe nicht gekürzt werden. Nur alte, die geblüht haben, können gänzlich zurückgeschnitten werden, die neuen werden behalten. Falls es nur wenig neue Triebe gibt, behalten Sie die schönsten der Alten und schneiden Sie die Seitentriebe bis auf zwei oder drei Augen zurück. Das jährliche gänzliche rausschneiden der älteren Triebe bringt die Rose dazu, immer wieder neue Triebe von unten zu produzieren. Damit behält man die Pflanze jung und vital.
Wenn Sie Lust haben sich mal an so eine Rose zu wagen, versuchen sie es erst mal mit einer benutzerfreundlichen Sorte wie ‚Tuscany Superb‘. Diese hat schlanke, biegsame Triebe, die sich gut bändigen lassen und netterweise kaum Dornen haben.
Obwohl das Tragen von anständigen Gartenhandschuhen bei solchen Aufgaben empfehlenswert ist, arbeite ich meistens mit nur einem. Die Hand in der ich meine Schere halte (in meinem Fall die linke Hand) ist geschützt mit Handschuh. Die rechte Hand nicht, weil ich mich meist am Stamm entlang fühle, auf der Suche nach den richtigen Augen, worüber ich die Rosen schneiden will. Bei dieser Arbeit, wo die Stämme bisschen bei bisschen um die Pfosten herumgewickelt werden, muss man sie auch regelmäßig anbinden. Auch das ist leichter ohne Handschuh!
Viel Freude beim Gärtner – genießen sie den Anfang der hoffentlich schönen, erfolgreichen Saison!
Isabelle Van Groeningen
15. März 2024