Der Cottage-Garten hat seinen Ursprung in den bescheidenen Dörfern, die über die englische Landschaft verstreut waren. Jeder Bewohner hatte dort ein Stück Land, auf dem er Lebensmittel für die Familie anbaute und Pflanzen kultivierte, die für den Alltag benötigt wurden. Neben Obst und Gemüse gab es Küchen- und Heilkräuter, Pflanzen zur Schädlingsbekämpfung sowie duftende Gewächse, um unangenehme Gerüche zu überdecken. Bäume und Sträucher lieferten Holz zum Kochen und Heizen, für Werkzeuge und Möbel. Außerdem gab es Platz für Kaninchen, Hühner und manchmal sogar ein Schwein, das Fleisch lieferte.
Erst im 19. Jahrhundert wurde die Idee zweckentfremdet und aus dem bescheidenen Bauerngarten wurde der romantische Blumengarten, von dem wir heute träumen. Rosen, Nelken, Pfingstrosen und Stockrosen wurden durch duftende Lilien und majestätische Rittersporne ergänzt, um farbenfrohe und duftende Blumenbeete zu schaffen. Imposante Formschnitte, meist aus Eiben oder Buchsbäumen, sorgten für dauerhafte Strukturen.
Der ursprüngliche Cottage-Gärtner hatte weder die finanziellen Mittel noch die Möglichkeit, etwas zu kaufen. Der Garten war ein in sich geschlossenes System, das Nahrung, Brennstoff, Medizin und Baumaterial lieferte. Alles wurde wiederverwendet oder recycelt: Küchenabfälle wurden an die Tiere verfüttert, deren Dung zusammen mit Gartenabfällen kompostiert wurde. Der Kompost förderte wiederum die Bodenfruchtbarkeit. Dies war die Zeit vor F1-Hybriden und sterilen Pflanzen, sodass Saatgut von Gemüse, Blumen und Kräutern aufbewahrt und im nächsten Jahr wieder ausgesät werden konnte. Fehlendes Saatgut wurde mit Nachbarn getauscht, und Überschüsse wurden mit Freunden und Familie geteilt.
Diese Prinzipien sind der Grund, warum ich diese scheinbar altmodische Form des Gärtnerns für hochaktuell halte. In einer Zeit, in der wir alle unseren Beitrag zum Umweltschutz leisten möchten, bietet der Cottage-Garten einfache und effektive Lösungen. Sie müssen sich vielleicht kein Schwein anschaffen, um Dünger für Ihre Tomaten zu erzeugen, aber Sie können dafür sorgen, dass alle Grünabfälle aus Küche und Garten zu Kompost verarbeitet werden. Sie können aus Brennnesseln und Beinwell Flüssigdünger herstellen und im Herbst das Laub sammeln, um Laubkompost anzusetzen, anstatt es zu entsorgen. Züchten Sie Ihre Pflanzen aus Samen, tauschen Sie Setzlinge aus und teilen Sie Ihre reiche Ernte mit Ihren Nachbarn.
Besonders wichtig ist es, eine große Vielfalt an Pflanzen anzubauen und diese sorgfältig auszuwählen. Wählen Sie solche, die an die Wachstumsbedingungen angepasst sind, die Sie bieten können, damit sie gesund bleiben und wenig Pflege oder Wasser benötigen. Vielfalt steigert zudem den Wert des Gartens für die Tierwelt, auch wenn die Pflanzen nicht unbedingt einheimisch sind. Viele Tiere, Vögel und Insekten sind nicht wählerisch, ob die Beeren oder der Pollen und Nektar von einheimischen oder fremden Pflanzen stammen.
In meinem neuen Buch beschreibe ich, wie wir ein scheinbar steriles, totes Stück Land in ein blühendes Ökosystem verwandelt haben, in dem sich Menschen, Vögel, kleine Säugetiere und Insekten gleichermaßen wohlfühlen. Es geht um Versuche und Irrtümer, um Pflanzen und ihre gezielte Verwendung, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen – ein Ort, an dem Blumen, Obst und Gemüse ihren Platz fanden.
Das Ergebnis dieser zweijährigen Arbeit wird im kommenden Februar erscheinen. Ich kann es kaum erwarten, das Buch in Händen zu halten, und hoffe, dass Sie beim Lesen ebenso viel Freude haben werden, wie ich beim Schreiben.
Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein friedliches neues Jahr. Im neuen Jahr werde ich mich wieder bei Ihnen melden.
Isabelle Van Groeningen
20. Dezember 2024