Die Sommerferien sind für unsere Zimmerpflanzen vorbei
Wir haben es endlich geschafft, die letzten Zimmerpflanzen, die wir über die Sommermonate in den Garten gestellt hatten, ins Haus zu tragen. Ich spüre, wie die Augenbrauen bei dieser Aussage fragend nach oben gehen. Ja, ich meine Zimmerpflanzen, und ja, wir haben sie in den Sommermonaten in den Garten gestellt. Draußen im Garten sind sie am glücklichsten. Keine Pflanze ist für den Innenbereich bestimmt.
Alle Pflanzen haben ihren Ursprung draußen, an der frischen Luft, wo sie Licht, Luft und Regen ausgesetzt sind. Einige stammen aus Regionen, in denen es mehr regnet als in anderen, wo die Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen höher sind und wo sie unter dem schattigen Blätterdach hoher Bäume wachsen. Andere stammen aus sehr viel trockeneren Gegenden, in denen es nur wenig regnet und es keinen Schutz vor der unerbittlichen Sonne gibt. Die meisten der heute auf dem Markt befindlichen Zimmerpflanzen stammen aus exotischen Gebieten, die näher am Äquator liegen.
Schattenliebhaber
Hier sind die Temperatur- und Tageslichtunterschiede zwischen Sommer und Winter nicht so ausgeprägt wie in unseren Regionen. Die Pflanzen genießen das ganze Jahr über eine ähnliche Tageslänge, eine konstant hohe Temperatur und oft ein schützendes Blätterdach, das die harte Sonneneinstrahlung abhält. Sie neigen dazu, große Blätter zu haben, um die für die Photosynthese benötigte Fläche zu maximieren. Viele von ihnen sind Kletterpflanzen, die sich auf der Suche nach Tageslicht an Baumstämmen hocharbeiten. Diese Pflanzen sind ideal für Fensterbänke in Nord Lage, profitieren sehr von regelmäßigem Besprühen mit Wasser und verbringen die Sommermonate gerne in einem kühlen, schattigen Beet.
Sonnenanbeter
Die Pflanzen der Trockengebiete sind sehr unterschiedlich. Kakteen und Sukkulenten (Pflanzen mit fleischigen Blättern, die als Wasserspeicher dienen) stammen aus trockenen, kargen Gebieten, wo sie oft lange Zeit ohne Regen auskommen müssen. Daher müssen diese Pflanzen in einem sonnigen Teil des Gartens stehen, möglichst dort, wo der Regen nicht immer hinkommt.
Sie sind in der Regel kompakt, haben eine reduzierte bis gar keine Blattoberfläche, können Wasser in ihren Blättern oder im Hauptteil der Pflanze speichern und müssen sich gegen hungrige Tiere verteidigen, indem sie eine stachelige Schutzschicht entwickeln. Oft haben sie eine reflektierende, wachsartige Oberfläche oder sind mit einer haarigen Schicht bedeckt, die ihnen hilft, kühl zu bleiben und mögliche Feuchtigkeit zu speichern. Sie müssen auf der sonnigsten Fensterbank stehen, um sich wohlzufühlen, und vertragen kein übermäßiges Gießen.
Zimmerpflanzen ins Freie stellen
Es ist nicht das erste Mal, dass ich meinen Zimmerpflanzen einen Urlaub im Garten gönne. Im Alter von 18 Jahren zog ich in meine erste Studentenwohnung in Wisley und kaufte mir einen Vogelnestfarn, einen Asparagus und einen Papyrus. In den Sommermonaten sollten sie den Sommer im Freien verbringen. Ich warte immer darauf, dass die Gefahr des Nachtfrosts vorüber ist, und halte Ausschau nach einer milden, aber bewölkten Wetterperiode. Wie wichtig es ist, die Pflanzen sanft zu akklimatisieren, musste ich auf die harte Tour lernen. Als ich meinen schönen großen Farn mit seinen großen, glänzend hellgrünen Blättern zum ersten Mal aussetzte, war ich nicht vorsichtig und setzte die Pflanze am ersten Tag der prallen Sonne aus. Das Ergebnis waren völlig verbrannte Blätter, die innerhalb weniger Tage braun und knusprig wurden. Aber der Farn, der so widerstandsfähig ist, erholte sich vollständig, nachdem ich ihn in eine schattigere Ecke gestellt hatte, und bereitete mir noch viele Jahre Freude.
Da Papyrus gerne mit den Füßen im Wasser steht und an Flussufern wächst, stand er wieder einmal in einem unserer großen Vogelbäder. Das ist eine ideale Situation, da wir uns nicht darum kümmern mussten, sie den ganzen Sommer über zu bewässern.
Die Monstera, im Englischen wegen der großen Löcher in ihren Blättern auch als „Swiss Cheese Plant“ bekannt, bekam einen Platz am Fuße einer unserer Palmen. Wir haben sie mit ihrem Topf "eingepflanzt", zum einen, um zu verhindern, dass die Pflanze bei windigem Wetter umkippt, zum anderen aber auch, um den Wurzelballen schön kühl zu halten und einen direkten Kontakt mit der Erde zu gewährleisten, so dass sie nicht regelmäßig gegossen werden muss. Schön beschattet von der benachbarten Eiche und der Palme selbst, verbrachte sie eine sehr glückliche Zeit im Garten und kam mit glänzendem, gesundem, dunkelgrünem Laub ins Haus zurück. Das einzige Problem war, sie wieder herauszuholen: Einige ihrer Luftwurzeln hatten sich in der Erde festgesetzt. Der botanische Name der Pflanze Monstera deliciosa bezieht sich auf ihre köstlich schmeckenden Früchte. Ein großes Exemplar wuchs früher im Café, um unseren Kunden Schatten zu spenden. Nach den aronsstabartigen Blüten folgten große Früchte, die die Größe und Form eines Maiskolbens hatten. Wenn sie voll ausgereift sind, schmecken sie köstlich.
Der Philodendron fühlte sich so wohl im Garten und fügte sich perfekt ein. So sehr, dass ich vergaß, dass er da war, und fast zufällig entdeckte, dass er und seine anderen Zimmerkollegen Ende Oktober noch draußen stand. Glücklicherweise ist unser Garten sehr geschützt, so dass wir bis jetzt keine Nachtfröste hatten und wir sie wohlbehalten zurückholen konnten.
Great Dixter hat eine große Sammlung von Kakteenpflanzen, die in der Regel während der Sommermonate ein Zuhause im Garten finden. Ein trockenes, sonniges Beet ist gut für sie geeignet. Mischen Sie sie nicht mit anderen Pflanzen, da Kakteen und Sukkulenten mit dem Wasserbedarf anderer Pflanzen nicht zurecht kommen. Sie sind eine ungewöhnliche Beetbepflanzung und keine leichte Arbeit wegen den Stacheln, aber sie sind sehr pflegeleicht, da sie wahrscheinlich überhaupt nicht gegossen werden müssen.
Zimmerpflanzen auf dem Balkon
Auch wenn Sie keinen Garten haben, können Sie Ihren Pflanzen einen Urlaub gönnen. Auf dem Balkon gilt die gleiche Regel wie im Garten. Vermeiden Sie einen Südbalkon für Ihre schattenliebenden Farne und andere Waldbewohner, nutzen Sie ihn für Palmen, Sukkulenten und Kakteen. Geben Sie ihnen einige Tage Zeit, sich an das helle Sonnenlicht zu gewöhnen, indem Sie sie an bewölkten Tagen nach draußen bringen oder mit Vlies oder einem anderen Sonnenschutz abschirmen. Sie müssen sich über ihren Wasserbedarf informieren, der sich möglicherweise von dem in Innenräumen unterscheidet. Die Luftfeuchtigkeit ist höher, aber der Wind kann sie schneller austrocknen. Auch wenn es geregnet hat, sollten Sie prüfen, ob genügend Wasser im Topf angekommen ist. Besonders bei großblättrigen Exemplaren läuft das Wasser oft von der Blattoberfläche ab und gelangt nicht in die Erde.
Am Ende der Saison ins Haus holen
Warten Sie auf einen trockenen Tag, um die Pflanzen ins Haus zu holen, damit sie nicht auf wertvolle Möbel oder Parkettböden tropfen. Achten Sie darauf, dass Sie keine unerwünschten Schädlinge wie Schnecken einschleppen. Drehen Sie, wenn möglich, den Thermostat etwas herunter, damit der Übergangsschock von kühlen, feuchten herbstlichen Außentemperaturen zu warmer, trockener Raumluft mit stark reduziertem Lichtpegel nicht zu groß ist. Achten Sie darauf, dass die Pflanzen gut gewässert werden, damit sie mit der neuen, wärmeren und trockeneren Umgebung zurechtkommen. Denken Sie daran, dass in unseren nördlichen Breitengraden die Wintertage viel kürzer sind, als sie es gewohnt sind, stellen Sie sie also so nah wie möglich ans Fenster, damit sie das vorhandene Licht optimal nutzen können.
Warten Sie nicht zu lange, um sie wieder ins Haus zu holen. Einige Pflanzen können leichten Nachtfrost vertragen, aber nicht alle verzeihen Ihre Unachtsamkeit. Wir hatten Glück!
Isabelle Van Groeningen
5. November 2021