Wildtulpe: Tulipa praestans
Diese ist die Jahreszeit wo man täglich durch den Garten gehen muss, am liebsten zweimal, um sicher zu sein, dass man nichts verpasst hat. Die Natur explodiert gerade und von Tag zu Tag ist mehr Farbe zu sehen.
Zwiebel gehören zu dieser frühlingshaften Farbpracht. Die ersten, kleinen Frühlingsboten wie Winterlinge, Schneeglöckchen und Elfenkrokus sind schon wieder vorbei und bereiten sich auf ihre lange Sommerpause vor. Narzissen färben die Landschaft in allen Tönen von Reinweiß, Creme, Zitronengelb, bis zu sattem Buttergelb und sogar einige mit einem Hauch von Lachs oder Orange. Alle Farben auf die man sich zu Ostern freut. Parallel zu dieser saisonalen Pracht, fangen jetzt auch die Tulpen an, die umfangreichste Gruppe der frühjahrsblühenden Zwiebeln.
Die größeren Züchtungen werden in den kommenden Wochen, bis weit in den Mai hinein, für eindrucksvolle Farbklecks in Beete und Kübel sorgen. Aber im Augenblick befinden wir uns noch in der Übergangsphase zwischen den kleinen, feinen, zierlichen Saisonanfängern, und den großen Paukenschlägern. Aber bevor die farbliche Gewalt anfängt, ist noch Zeit um die kleineren, feineren Narzissen und Wildtulpen zu genießen. Wildtulpen sind wesentlich zurückhaltender und feiner als die großen Züchtungen. Genauere Observation lohnt sich immer bei diesen Schätzen, da sie oft besondere Details haben, wie dramatisch gefärbte Staubblätter (die aussehen wie Beinchen von Bienen), delikate Farbnuancen wie in Tulipa polychroma und T. turkestanica, wie die mit Goldstaub bepuderten Blütenblätter-Rückseiten von Tulipa whittallii oder Tulipa sprengeri, besondere Blütenformen, wie die sehr schlanke, spitze Blüten von Tulipa acuminata oder auch delikate Parfums.
Es gibt eine große Auswahl an sogenannten Wildtulpen. Viele davon sind gar nicht wild, aber Züchtungen oder auch Selektionen, die irgendwann in der Vergangenheit entstanden sind oder in der Natur selektiert wurden. Diese sind nah verwandt mit den ursprünglichen Wildformen und enthalten noch viel von deren Charakteristiken.
Die vortreffliche Tulpe: Tulipa praestans
Diese mehrblütige Tulpe stammt aus den Gebirgen in Tajikistan wo sie auf lehmigen, steinigen Böden beheimatet ist, in teils leicht beschatteten Wäldern. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass sogar in schattigere Gartenbereiche unter Laubbäumen, wo im Frühjahr noch genügend Sonne ankommt, sie jedes Jahr wiederkehrt und blüht. Selbst hier schafft sie es sich zu vermehren, sodass von Jahr zu Jahr die leuchtenden Farbtupfer immer größer werden.
Sie wächst meistens 30 bis 40 cm hoch und hat bis zu fünf Blüten pro Stiel, was ihre Blütenshow sehr beeindruckend macht. Das Laub ist hell, grau-grün. Die Knospen sind schlank und spitz und wenn sie völlig aufgeblüht sind entfalten sie sich zu großen, offenen Sternen.
Es gibt zwei Selektionen die beide einen hohen Gartenwert haben. Tulipa praestans ‘Fusilier‘ hat sogar von der Royal Horticultural Society die AGM-Anerkennung bekommen: die Award of Garden Merit ist reserviert für Pflanzen mit einem besonders hohen Gartenwert. Diese Sorte hat leuchtend rote Blüten mit einer großartigen Fernwirkung. Wenn sie es nicht ganz so „laut“ mögen im Garten, kann ich ihnen die Sorte ‚Shogun‘ sehr empfehlen. Diese ist in einem sehr schönen, zarten Orange gefärbt, wie eine köstliche, reife Aprikose. Die Staubblätter sind dunkelblau-violett.
Diese Tulpe begleitet mich in meinen Gärten schon seit mehreren Jahrzenten und hat sich gut bewertet. Egal ob sie an einer sonnigen Stelle, auf schwerem Lehmboden war oder im schattigen, berliner Innenhof. Diese Tulpe ist anspruchslos und unkompliziert. Nur auf sehr sandigen Böden mit einem niedrigen PH-Wert benötigt sie ein bisschen Unterstützung. Düngen Sie sie im Frühjahr beim Austrieb und seien Sie großzügig mit Kompost.
Machen Sie sich eine Notiz, wohin sie am besten passen werden und bestellen Sie sie vor, damit Sie sich auf das nächste Frühjahr freuen können.
Isabelle Van Groeningen
22. März 2024