Empfehlenswerte Apfelsorten für den Garten

Empfehlenswerte Apfelsorten für den Garten

Wer einen Apfelbaum für den eigenen Garten sucht, steht schnell vor einer erstaunlich großen Auswahl. Alte Sorten, neue Züchtungen, Sommeräpfel, Lageräpfel, süße oder säuerliche Früchte. Dazu kommen Fragen nach Standort, Baumgröße, Befruchtung und Krankheitsanfälligkeit.

Aus meiner Erfahrung würde ich für den Hausgarten vor allem Sorten auswählen, die nicht nur gut schmecken, sondern sich auch im Garten bewährt haben. Schließlich soll ein Apfelbaum viele Jahre Freude machen und nicht ständig Sorgen bereiten.

Dabei lohnt es sich, nicht nur auf die bekannte Sorte aus dem Supermarkt zu schauen. Gerade im eigenen Garten kann man Äpfel pflanzen, die im Handel kaum zu finden sind und geschmacklich oft besonders interessant sind.

Delbarestivale: ein aromatischer Start in die Apfelsaison

Eine meiner Empfehlungen für den frühen Apfelgenuss ist Delbarestivale. Die Sorte ist auch unter dem Namen Delcorf bekannt und gehört zu den Sommeräpfeln. Je nach Witterung können die ersten Früchte bereits ab Mitte August geerntet werden. Das ist für mich einer ihrer großen Vorzüge. Während viele andere Apfelsorten noch einige Wochen brauchen, bekommt man hier schon mitten im Spätsommer die ersten eigenen Äpfel.

Das helle Fruchtfleisch ist saftig und aromatisch, mit einer angenehm feinen Würze. Manche schmecken darin sogar eine leichte Anisnote. Delbarestivale ist vor allem ein sehr schöner Apfel zum direkten Essen. Für einen Sommerapfel lässt er sich vergleichsweise gut aufbewahren. Mit einem klassischen Winterapfel darf man ihn allerdings nicht vergleichen. Ich würde die Früchte lieber frisch genießen, solange sie ihr volles Aroma besitzen. Der Baum bevorzugt einen sonnigen Standort, kommt aber auch mit leichtem Halbschatten zurecht.

Gravensteiner: ein Klassiker mit unverwechselbarem Duft

Der Gravensteiner gehört für mich zu den Apfelsorten, die man schon am Duft erkennen kann. Es handelt sich um eine sehr alte Sorte, deren Früchte bei uns meist ab Anfang September reif werden.

Das Fruchtfleisch ist ausgesprochen saftig. Geschmacklich verbindet der Gravensteiner Süße und Säure mit einem kräftigen, würzigen Aroma. Genau diese Mischung macht ihn zu einem wunderbaren Tafelapfel. Auch im Garten ist der Gravensteiner interessant, weil seine Blüte für andere passende Apfelsorten als Pollenquelle dienen kann.

Im Zusammenhang mit alten Apfelsorten werde ich außerdem häufig nach Apfelallergien gefragt. Tatsächlich gibt es Menschen mit Apfelallergie, die bestimmte alte Sorten wie den Gravensteiner besser vertragen als manche moderne Sorte. Das ist allerdings individuell sehr unterschiedlich und sollte nicht als allgemeine Verträglichkeitsgarantie verstanden werden.

Wellant: aromatisch und angenehm fest

Wellant ist eine moderne Apfelsorte, die ich für den Garten interessant finde. Die mittelgroßen bis großen Früchte besitzen meist eine rötliche Deckfarbe und können je nach Standort und Witterung ab Ende September bis Anfang Oktober geerntet werden. Das Fruchtfleisch ist fest, saftig und aromatisch. Geschmacklich verbindet Wellant eine angenehme Süße mit einer feinen Säure und einer würzigen, leicht kräftigen Note. Wer bei einem Apfel Wert auf Biss und ein intensives Aroma legt, sollte sich diese Sorte einmal genauer ansehen.

Wellant eignet sich sowohl zum direkten Essen als auch für die Küche. Nach der Ernte kann sich das Aroma während der Lagerung noch weiterentwickeln. Unter geeigneten Bedingungen lassen sich die Früchte mehrere Monate aufbewahren. Gerade Ende September beginnt ohnehin eine besonders schöne Zeit im Obstgarten. Viele Äpfel entwickeln jetzt durch die kühleren Nächte ihr volles Aroma und ihre typische Ausfärbung.

Finkenwerder Herbstprinz: ein Stück norddeutsche Obstkultur

Eine meiner besonderen Empfehlungen ist der Finkenwerder Herbstprinz. Die alte Sorte stammt aus dem norddeutschen Raum und ist eng mit dem traditionellen Obstbau rund um Hamburg und die Niederelbe verbunden.

Die Ernte beginnt je nach Standort und Witterung etwa Ende September bis in den Oktober hinein. Geschmacklich ist der Finkenwerder Herbstprinz wunderbar ausgewogen. Das Fruchtfleisch besitzt eine deutliche Säure, gleichzeitig aber auch genügend Süße und ein kräftiges Aroma.

Für mich ist das ein Apfel, der sehr vielseitig ist. Man kann ihn frisch essen, aber auch hervorragend in der Küche verwenden. Gerade zum Backen gefällt mir seine Kombination aus Süße, Säure und Würze sehr gut. Der Finkenwerder Herbstprinz lässt sich außerdem gut lagern. Dabei entwickelt sich sein Geschmack nach der Ernte noch weiter. Auch diese alte Sorte wird von einigen Apfelallergikern als gut verträglich beschrieben. Wie beim Gravensteiner gilt aber auch hier, dass die Verträglichkeit von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann. Untersuchungen und Erfahrungsberichte zu alten Sorten zeigen interessante Unterschiede, eine Garantie gibt es jedoch nicht.

Pinova: ein unkomplizierter Apfel für den Herbst

Wer einen etwas später reifenden Apfel sucht, sollte sich Pinova anschauen. Die Früchte können meist ab Anfang Oktober geerntet werden. Ich mag Pinova vor allem wegen seines ausgewogenen Geschmacks. Das Fruchtfleisch ist fest und saftig, das Aroma angenehm fruchtig mit einem guten Verhältnis zwischen Süße und Säure.

Ein weiterer Vorteil ist die Lagerfähigkeit. Unter geeigneten Bedingungen kann man die Früchte über längere Zeit aufbewahren und hat so auch nach der eigentlichen Erntesaison noch Äpfel aus dem eigenen Garten.

Ohne Befruchtung keine Äpfel

Bei der Auswahl eines Apfelbaumes darf ein Punkt nicht vergessen werden: die Befruchtung. Die meisten Apfelsorten können sich mit ihrem eigenen Pollen nicht zuverlässig befruchten. Sie benötigen deshalb eine andere, genetisch passende Apfelsorte, die ungefähr zur gleichen Zeit blüht. In Baumschulen und im Obstbau arbeiten wir dafür mit sogenannten Befruchtertabellen. Dort kann man sehen, welche Sorten gut miteinander harmonieren.

Für einen Garten in Berlin ist die Situation glücklicherweise oft unkomplizierter, als es zunächst klingt. In unserer Stadt gibt es sehr viele Apfelbäume in Privatgärten, Kleingartenanlagen, Parks und auf öffentlichen Flächen. Gleichzeitig übernehmen Honigbienen und zahlreiche Wildbienen die Bestäubung. Deshalb reicht häufig bereits ein geeigneter Apfelbaum in der näheren Umgebung aus. Man muss also nicht zwangsläufig zwei Apfelbäume in den eigenen kleinen Garten pflanzen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann beim Kauf trotzdem nachfragen, welche Sorten als Befruchter geeignet sind.

Die Unterlage entscheidet über die spätere Baumgröße

Ein Punkt wird beim Kauf eines Apfelbaumes meiner Erfahrung nach häufig unterschätzt: Nicht nur die Sorte bestimmt den Baum, sondern ganz wesentlich auch die Unterlage, auf die sie veredelt wurde.

Fast alle Apfelbäume, die wir im Garten pflanzen, bestehen aus zwei Teilen. Oben befindet sich die gewünschte Apfelsorte. Der untere Teil mit dem Wurzelsystem stammt von einer sogenannten Veredelungsunterlage. Sie beeinflusst unter anderem, wie stark der Baum wächst, wie früh er Früchte trägt und welche Größe er später erreicht.

Bei schwach wachsenden Apfelbäumen begegnet man häufig Bezeichnungen wie M27, M9 oder M26. Das M steht für die englische Versuchsstation East Malling, an der verschiedene Apfelunterlagen systematisch geprüft und nummeriert wurden.

M27 wächst besonders schwach und eignet sich vor allem für sehr kleine Bäume. M9 ist ebenfalls schwach wachsend und wird häufig verwendet, wenn der Baum kompakt und gut beerntbar bleiben soll. Beide benötigen in der Regel eine dauerhafte Stütze und eine gute Versorgung mit Wasser und Nährstoffen.

Für viele Berliner Hausgärten halte ich M26 für einen besonders guten Kompromiss. Sie wächst etwas kräftiger und ist damit weniger empfindlich, hält den Baum aber dennoch in einer überschaubaren Größe. Aus diesem Grund sind auch die meisten Apfelsorten, die wir in der Königlichen Gartenakademie anbieten, auf M26 veredelt. Je nach Sorte, Boden, Schnitt und Standort kann ein darauf veredelter Apfelbaum ungefähr drei bis vier Meter hoch und zwei bis drei Meter breit werden.

Damit bleibt er erheblich handlicher als ein Apfelbaum auf stark wachsender Unterlage. Er lässt sich leichter schneiden, die Früchte sind gut erreichbar und auch in einem kleineren Garten findet sich eher ein geeigneter Platz. Ganz klein bleibt allerdings auch ein Baum auf M26 nicht. Ein Apfelbaum ist ein Gehölz, das sich über viele Jahre entwickelt. Deshalb sollte man ihm von Anfang an ausreichend Raum geben.

Mein wichtigster Rat beim Apfelkauf

Ich würde einen Apfelbaum nie allein nach dem Namen der Sorte auswählen. Entscheidend ist die Kombination aus Geschmack, Erntezeit, Standort und Unterlage.

Wer genügend Platz hat, kann außerdem sehr schön verschiedene Reifezeiten miteinander kombinieren. Ein Delbarestivale eröffnet die Saison bereits im August, Gravensteiner folgt im September, danach kommen Wellant und Finkenwerder Herbstprinz, und mit Pinova schließlich ein gut lagerfähiger Herbstapfel.

So muss man sich gar nicht für den einen perfekten Apfel entscheiden. Viel reizvoller ist es, über mehrere Monate hinweg immer wieder eine andere Sorte direkt vom eigenen Baum zu ernten.

Obstgehölze begleiten mich schon seit vielen Jahren. Durch mein Studium der Agrarwissenschaften habe ich mich intensiv mit Nutzpflanzen und ihren besonderen Eigenschaften beschäftigt. Dabei hat mich immer besonders interessiert, wie sich Nutzen und Ästhetik miteinander verbinden lassen. Ein Apfelbaum ist für mich deshalb weit mehr als ein Lieferant guter Früchte. Er prägt einen Garten, verändert sich mit den Jahreszeiten, bietet Lebensraum und macht die Verbindung zwischen Mensch und Natur unmittelbar erlebbar. Wenn wir im Frühjahr seine Blüte beobachten und Monate später den ersten eigenen Apfel vom Baum pflücken, entsteht genau diese Verbindung. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich Obstgehölze bis heute so faszinieren.

Ralf Noack

Von Ralf Noack
Obstbaumspezialist der Königlichen Gartenakademie

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