Verehrte Leser und Leserinnen,
zum Auftakt unseres neuen Blogs, ’20 Jahre, gestaltete Gärten der Königlichen Gartenakademie‘, möchten wir die Geschichte unseres ersten Stadtgartens, mitten in von Berlin, mit Ihnen teilen.
Bei dem Hof handelte es sich leider nicht um einen Vierkanthof, sondern um einen Innen-, bzw. Hinterhof in Berlin, Schöneberg. Hier war wirklich alles anders als es sich zwei gartenverwöhnte, leidenschaftliche Gärtnerinnen, (auch keine Königinnen) mit englischen Wurzeln, gewünscht hätten. Statt 800 qm, wie unser Garten in den englischen Cotswolds, hatte die Gartenfläche nahe Viktoria-Luise-Platz, lediglich 80 qm. Statt sonniger Ausrichtung, tiefster Schatten von umliegenden, fünfstöckigen Gebäuden, einer riesigen Kastanie beim Nachbarn und einer großen Eiche in unserem Garten. Statt sattem, köstlich humosem Landboden, ausgemergelten Berliner Stadtsand über Bauschutt. Wo und vor allem wie fängt man da eine Planung, geschweige denn Einigung zweier Gartenexpertinnen, an? Wir haben uns das 3 € pro qm Konzept, das wir vor 25 Jahren entwickelt haben, zu Herzen genommen, ausprobiert und es hat funktioniert.

Vor der Gartengestaltung
Was ist das 3 € pro qm Konzept und wie funktioniert es?
Für eine gute Gartenplanung, benötigt man drei Grundlagen, die es dem Gestalter ermöglichen eine gute Planung zu zaubern: 1. Ein akkurates Aufmaß, das man gerne auch selber machen sollte, damit man in Tuchfühlung mit dem Garten kommt. 2. Gute und sinnvolle Bilder des Grundstücks, der Eingänge, Ausgänge und wichtigsten Blicke zum und vom Haus. Und 3. Ein Moodboard, das möglichst mit allen Benutzern des zukünftigen Gartens erstellt wurde. Es müssen nicht viele Bilder aus Magazinen oder Büchern sein, um dem Gestalter eine Idee des gewünschten Stils zu vermitteln. Es geht ja lediglich darum den Designer nicht mit Wünschen wie „schön sollte er sein der Garten“ oder „gerne Romantisch“. Solche Angaben zum Gartenstil sind wenig hilfreich, denn die planende Person hat keine Ahnung was für den Besitzer schön oder romantisch ist. Deshalb also eine Collage aus Bildern, wie wir sie häufig von Familien bekommen, oder nur zwei drei Fotos aus Büchern, die den gewünschten Stil ein wenig reflektieren.
Der Preis der Planung ist transparent und einfach, es zählt das gesamte Grundstück, inklusive Haus, da dieses ja mit allen Türen, Fenstern und Eingängen mit einbezogen werden muss und ist inkl. MwSt. und Nebenkosten. Wer alles zusammengetragen hat, macht einen Termin, kommt zur Vorstellung des Grundstücks an die Gartenakademie, tätigt eine 50%ige Anzahlung und kommt zur Präsentation des Gartens nach 6 bis 8 Wochen, je nach Jahreszeit, noch einmal in die Gartenakademie.

Gartenplan
Was bekommt man für sein Geld?
Bei kleinen Gärten bis 850 qm, so wie unseren 80 qm Garten, gibt es Minimumkosten von 850 Euro, ab dann zählt jeder Quadratmeter. Dies liegt an dem doch recht umfangreichen Prozedere der persönlichen Treffen, die wir für ausgesprochen wichtig halten, und den besonders schönen Zeichnungen unserer Illustratorin Polly Wickham, die seit fast 30 Jahren unsere Planungen illustriert. So auch unsere.
Um das Konzept so authentisch zu halten wie möglich, haben wir alle oben aufgeführten Aufgaben getätigt und hatten dann, mit meinem damaligen Chefgestalter Christian Otto, das Erstgespräch. Die daraus resultierende Gestaltung, war für uns nicht nur verblüffend, sondern hat uns auch bewiesen, dass dieses Konzept funktioniert.
Die auf den folgenden Bildern gezeigten Grundinformationen: Grundriss; Fotos des Gartens; und die zwei Stilbilder unseres Traumgartens für die Stadt, haben gelangt, um uns einen sehr tollen Garten gestalten zu lassen, der bis heute lebt und auch von dem neuen Besitzer immer noch sehr geliebt wird. Natürlich ist es uns als Planerinnen nicht leicht gefallen, die Sache aus der Hand zu geben, aber wir waren uns auch bewusst darüber, dass wir viele Jahre ohne Einigung untereinander und somit ohne Garten geblieben wären, wie es in unserem ersten Garten in England gegangen war. Und für solche Sperenzchen war wirklich keine Zeit neben allem anderen.
Einzige Vorgabe waren zwei KeBoNy Holzterrassen, die wir bereits vor Einzug entscheiden mussten, alles Andere war offen.
Was waren unsere Wünsche im Vorgespräch
Im Vorstellungsgespräch mit dem Designer, haben wir natürlich nicht nur die zwei Stilbilder mitgebracht, sondern auch die uns wichtigen Gestaltungselemente, die es galt unterzubringen. Teils, wie bei vielen unserer Kunden und Kundinnen auch, völlig illusorisch und unerreichbar, aber versuchen kann man es ja mal. Wir wollten unbedingt ungestört und uneinsehbar werden (letzteres natürlich nicht wirklich machbar), es sollten viele Sitzplätze her, eine Wasserstelle für Ruhe und Vögel, es sollte unbedingt die Möglichkeit gegeben sein, einmal den ganzen Garten zu durchstreifen, ohne zurückgehen zu müssen. Das sollte übrigens in jedem Garten das Ziel sein, sonst ist der Garten langweilig und nicht erlebbar. Denn schon Karl Foerster’s Schule hat davon gesprochen, dass man den Garten erlebbar machen soll. Sitzplätze kann man nie zu viele haben, sie sind auch eigentlich nicht wirklich zum Sitzen, sondern Einladungen für die Seele. Wir hatten am Ende fünf Möglichkeiten zum Sitzen und jeder einzelne öffnete eine ganz eigene Sicht in den Garten. Es gab am Schluss sogar zwei Plätzchen, von denen aus einen im Sommer niemand sehen konnte, und von denen man ganz genüsslich das Treiben der Nachbarschaft beobachten konnte.
Dass wir als Gestalter, die Gestaltung unseres eigenen Gartens aus der Hand gegeben haben, war unserer Neugier geschuldet, um herauszubekommen, ob und wie gut das von mir erarbeitete Designkonzept funktioniert.
Und, was soll ich sagen, das Resultat konnte sich sehen lassen und wir haben es so, wie von Herrn Otto geplant ausführen lassen.
Sie können den nun folgenden Bildern genau entnehmen, wie der Ablauf funktionierte, und natürlich haben wir die Bepflanzungsplanung nicht aus der Hand gegeben, sondern natürlich selber geplant. Vielleicht auch noch sehr wichtig zu erwähnen, ist die Tatsache, dass wir keinen Boden, bzw. nur wenig des Bauschutts abgefahren haben, sondern fast alles mit gutem Stadtkompost bedeckt haben und das über viele Jahre. Das Laub der großen Eiche haben wir tatsächlich zum Teil im Biomüllsack entsorgt, weil die Gerbstoffe der Blätter, gerade für Junganpflanzungen Schwierigkeiten verursachen können.

Ausmarkierung der Planung

Entwurfsvisualisierung
Gartenansicht nach einem Jahr der Fertigstellung

Vor der Gartengestaltung


Gesamteindruck des Schattengartens
Die Bepflanzung
Wer so wenig Sonne im Garten hat, wie wir es dort in Schöneberg hatten, der sollte sich auf jeden Fall auf Schatten-liebende Pflanzen konzentrieren. Da wir den Garten uneinsehbar machen wollten, war es uns wichtig eine Art von Dschungel zu kreieren. Zum Nachbarhaus direkt gegenüber pflanzten wir einen Streifen von fünf Bambus (selbstverständlich mit einer kräftigen Wurzelsperre). Über die Jahre sind diese Pflanzen hoher und hoher gewachsen, sodass selbst im ersten Stock die Wohnung nicht mehr einsehbar war. Vor der hohen Brandwand, die teils mit Efeu und Wein begrünt war, pflanzten wir zwei immergrüne Magnolien, mit ihren schönen dunkelgrünen, glänzenden Blätter. Daneben ein Blauglockenbaum, der Jährlich auf Schulterhöhe zurückgeschnitten wurde. Er soll nicht blühe, stattdessen wollten wir das er uns Jährlich beglückt mir 3,5 m hohe neue Trieben, und einzelne Blätter die 50 cm oder mehr Durchmesser machen. Der Nachbarhof links wurde kaschiert mit ein eleganter Japanischer Ahorn. Diese Gehölze, zusammen mit den drei große Hanfpalmen waren die wichtigen Strukturpflanzen des Gartens.

Schattenpflanzen in der Regel haben große Blätter, da sie versuchen möglichst viel Tageslicht aufzufangen, um Photosynthese zu betreiben. Besonders bei den Stauden gibt es die schönsten Blattschmuckpflanzen. Da Pflanzen in der Regel nur einige Wochen im Jahr Blühen, ist vorteilhaft das, wenn nicht in Blüte, sie wenigstens attraktives Laub haben und damit das Gartenbild schmucken. Hierzu gehören Farne und Funkien, aber auch zum Beispiel Rodgersien.


Blattstrukturen und Formen interessieren, weil nur wenige Pflanzen im tiefsten Schatten blühen, bzw. lange blühen. Natürlich gibt es viele Frühjahrsblüher und Zwiebeln, die Ihre Pracht noch vor dem Laubaustrieb veröffentlichen, aber das ist in unseren Gefilden meist noch nicht die Zeit, in der wir in unserem kleinen Garten sitzen konnten. Deshalb haben wir uns entschlossen, dem Garten eine exotische Note zu geben, das ging ja auch bereits aus unserem Storyboard hervor. Allerdings wurden die anfangs gepflanzten Baumfarne, schon sehr bald durch Hanfpalmen ersetzt, weil die Baumfarne dem Berliner Winter nicht standhalten konnten.

6 Kommentare
Es ist einfach unglaublich, was ihr da gemacht habt.